rekonstruieren

In der Denkmalpflege wird heute immer wieder die Frage nach der Originalsubstanz gestellt. Gemeint ist damit nicht allein das zur Erbauungszeit errichtete Kunstwerkt, sondern auch die verschiedenen späteren Schichten, die jeweils auch Zeugnisse ihrer Zeit sind. Die diversen überdeckenden Schichten werden zusammen mit der bauzeitlichen Substanz als Wert angesehen. Die moderne Denkmalpflege will nicht eine bestimmte Fassung eines Objekts als „das Original“ erachten: weder die Erstfassung oder die prächtigste oder seinerzeit populärste, noch die letzte, die sich in der Erinnerung festgesetzt hat. Die Rekonstruktion einer Schicht oder Gestaltungsphase kann nicht so vielschichtig sein, wie die überlieferte komplexe Geschichte des Objektes.

Eine rekonstruierte Wandfassung oder beispielsweise ein Stuckornament muss dem übrigen Raumgefüge angepasst sein und darf andere sichtbare Zeitschichten nicht dominieren. Die Qualität einer Rekonstruktion hängt stark von der Objektkenntnis ab – sie sollte materialtechnisch und technologisch der nachzustellenden Phase nicht nachstehen. Zuweilen werden auf besondere Details, wie beispielsweise Goldapplikationen, aufgrund einer modernen Übersetzung der historischen Formensprache oder aber aus finanziellen Nöten verzichtet.

 

Sternensaal im Neuen Museum in Berlin. Rekonstruktion einer Konsole.

Gegenstand der konservatorischen und restauratorischen Arbeiten waren die Wandfassungen und die Rekonstruktion der Decke des Raumes. Infolge der Zerstörungen während des zweiten Weltkrieges sind große Teile der Innenausstattung verloren gegangen. Nur einzelne gefasste Deckenfragmente - darunter Teile der Gewölbekappen, der Rippen, der Rand- und Mittelmedaillons konnten aus dem Schutt geborgen werden. Unter den geborgenen Teilen waren auch zwei in mehrere Einzelteile zerbrochene, goldgefasste Konsolen. Zu den Teilfragmenten gehörten der obere Blätterkranz mit dem darüber befindlichen profilierten Gesims und ein Fragment des mittleren Blätterkranzes. Die Archivrecherche ergab leider keine ausreichende planerische oder fotografische Aussage, die für eine Wiederherstellung der Konsolen genügt hätte. Es wurde eine zeichnerische Rekonstruktion angefertigt. Anhand der Zeichnung, eines plastisches Modells und der vorhandenen Fragmente wurde die Konsole als unterer Abschluss des Gewölbes diskutiert. 

Im Zuge der Besprechungen u.a. mit dem LDA Berlin wurde schließlich auf Grund des Fehlens weiterer fundierter Informationen entschieden, auf die Rekonstruktion des unteren Abschlusses der Konsole zu verzichten. Im Anschluss wurden die Konsole ensprechend den Diskussionsergebnissen abgeformt, montiert und an die Dienste angearbeitet.

Die Abbildung zeigt eine nur fragmentarisch erhaltene Konsole, auf deren Diensten das Gewölbe im Sternensaal ruhte. Erhalten ist nur der obere Blätterkranz sowie der Abschluss Konsole mit dem Fragment des mittleren Blätterkranzes. Die Abbildung zeigt den Zustand vor der Teilrekonstruktion.

Die Frage der endgültigen Form der Konsole konnte mit einer Archivrecherche nur unzureichend geklärt werden.

Anhand der Fragmente und Abdrücke an der Wand wurde eine Rekonstruktionszeichnung angefertigt. Fotografische Animationen und Zeichnungen wurden zur Diskussion gestellt.

Entlang des ursprünglichen Platzes der Konsole konnten in situ erhaltene Umrisszeichnungen bei der Formfindung helfen. Fotografische Animationen und Zeichnungen wurden zur Diskussion gestellt.

So stellt sich die Situation im Endzustand (ungefasst) dar: die Konsole, die Dienste und die darauf zulaufenden Rippenansätze. Nach der Rekonstruktion wurde die Konsole vervielfältigt und die Abgüsse angebracht. Die Konsolen erhielten zur Harmonisierung die gleiche Lasur wie die Rippen und Gewölbekappen. Auf die Rekonstruktion des unteren Abschlusses der Konsole wurde aufgrund des Fehlens erhaltener Fragmente und Abbildungen verzichtet.